Wissenswertes zu Yoga

Mystiker überall auf der Welt sprachen von ihrer inneren Erfahrung der Vereinigung mit dem Selbst. Diese Wirklichkeit wird sprachlich durch das Sanskritwort „Yoga“ (yui = binden, vereinen, fesseln, anjochen, die Aufmerksamkeit leiten und konzentrieren, gebrauchen, anwenden.) definiert, was soviel wie „Vereinigung“ bedeutet und dem Wort „Religion“ entspricht, welches vom lateinischen „religare“ (vereinigen, verbinden) abstammt.
 
Es bedeutet auch Vereinigung im Sinne von Gemeinschaft, die wahre Verbindung unseres Willens mit dem Willen Gottes. „Es bezeichnet das Anjochen aller Kräfte des Körpers, des Verstandes und der Seele an Gott. Yoga setzt die Zucht des Denkens, des Bewußtseins, der Empfindungen, des Willens voraus. Es bedeutet Ausgeglichenheit der Seele, die den Menschen befähigt, gleichmütig das Leben in allen seinen Aspekten zu betrachten.“ So sagt Mahadev Desai in seiner Einführung in die Bhagavad-Gita, kommentiert von Mahatma Gandhi.
 
Yoga ist eine der sechs orthodoxen Systeme indischer Philosophie. Es wurde von Patanjali in seinem klassischen Werk, den Yoga-Sutras, die aus 185 kurzen Aphorismen bestehen, zusammengetragen, eingeordnet und zu einem System eingefügt. Nach indischem Denken wird alles von dem höchsten universalen Geist durchdrungen (Paramatma oder Gott). Der individuelle menschliche Geist (Jivatma) ist nur ein Teil davon. Man spricht von der Lehre des Yoga, weil dies Anweisungen gibt, mit deren Hilfe der Jivatma mit dem Paramatma verbunden oder vereint wird und somit die Befreiung (moksha) erlangt.
 
Die Vereinigung des Individuums mit dem Ganzen, mit dem Kosmos, resultiert aus einem inneren Vorgang, der das Bewußtsein des Menschen auf die höchste Realität lenkt, auf das Selbst oder den Gott in uns, wie C. G. Jung es beschrieb. Dieser Vorgang erlaubt es der Aufmerksamkeit über die Begrenzung des „Ich“ hinauszugehen, und auch über die Konditionierungen, die von unserer Gesellschaft, Erziehung und Vergangenheit im Allgemeinen genährt werden. Es ist ein innerer Prozess, der wie alles, was sich im Universum bewegt, Energie benötigt. Diese Energie ermöglicht dem Sucher der Wahrheit den Zugang zum inneren Absoluten, dem Geist Gottes, weshalb man sie zu Recht als „spirituelle Energie“ bezeichnen kann. Die jahrtausende alte Tradition Indiens gab dieser Energie den Namen „Kundalini“.
 
Diese Tradition lehrt uns, daß das Erwecken der Kundalini das höchste Stadium bedeutet, welches dem Asketen, der sich vorher innerlich gereinigt hat, (wie Buddha die völlige Gottrealisation) das Nirvana schenkt. Die Kundalini wartet aber nicht immer auf die völlige Reinigung des Suchers um aufzusteigen. Sie folgt dem Ruf dessen, der sich innerlich zu entwickeln wünscht und der den Weg zu Gott finden will, und sie erwacht, um ihm die Selbstverwirklichung zu geben, die den Zugang zum Unendlichen ermöglicht.
 
Diese Erfahrung wurde von außergewöhnlichen Menschen, von Heiligen aller religiöser Traditionen auch beschrieben, als „unio mystica“ im Christentum etwa von Franz von Assisi, Meister Eckhart oder Dante, von Rumi und Attar im Islam, von den ersten Zen-Meistern, oder von Namdev und Tukaram aus Indien, um nur einige herausragende Beispiele zu nennen. Die Erfahrung der Selbstverwirklichung wurde aber auch von berühmten Wissenschaftern wie Pascal, Einstein und C. G. Jung beschrieben.

Einheit – Vereinigung – Ganzwerdung – Integration

„Aller Yoga ist seiner Natur nach eine neue Geburt. Er ist die Geburt aus dem Gewöhnlichen, dem Intellektualiserten, materiellen Leben des Menschen in ein höheres, spirituelles Bewußtsein und ein größeres und göttlicheres Sein.“
 
Sri Aurobindo Yoga ist eine der wenigen Wissenschaften der Welt, die voll und ganz empirisch ist. Dort geschieht nichts, was der einzelne nicht jedesmal von neuem lernt. Die Grundsätze sind niemals als solche anwendbar. Die Erfahrung des Anderen ist nichts weiter, als ein gewisser Leitfaden. Und nur das Wissen, das man selbst erlangt hat, ist von Bedeutung.

Die 4 verschiedenen Pfade des Yoga

Bhakti Yoga - hier spielen die Liebe und Hingabe, die Emotionen und das Leben in der Gemeinschaft die Hauptrolle. Man singt miteinander und rezitiert Mantren.
 
… Yoga der Liebe/Verehrung/Hingabe an Gott
 
Karma Yoga - ist die Hingabe ohne eigenen Nutzen; wird praktiziert durch körperliche Arbeit, Dienen etc. … Yoga der Tat oder des selbstlosen Handelns
 
Jnana Yoga - im Mittelpunkt steht das Studium der Schriften und das Meditieren; wird geistig praktiziert … Yoga der Erkenntnis
 
RAJA Yoga - Königsyoga oder der 8-fache Pfad; dieser setzt sich zusammen aus
 
Yama – die Ethik … Ahimsa (nicht verletzen); Satya (Wahrhaftigkeit); Asteya (nicht stehlen); Brahmacharya (reiner Lebenswandel, Autentizität); Aparigraha (nicht Besitz ergreifen)
 
Niyama – Verhaltensregeln, Einschränkung … Saucha (Reinhalten innerlich, sowie äußerlich); Santosha (Zufriedenheit); Tapas (Selbstdisziplin); Swadhyaya (Studium der heiligen Schriften); Ishwara Pranidhana (Hingabe zu Gott, Achtsamkeit, Wertschäzung)
 
Asana – die Körperstellung
 
Pranayama – Kontrolle über das Prana, die Lebensenergie – bewusste Regulierung und Vertiefung der Atmung durch Achtsamkeit und beständiges Üben.
 
Pratyahara – Zurückziehen der Sinne (Achtsamkeit nach Innen)
 
Dharana – Kontentration, Fokussieren der Sinne
 
Dhyana – Meditation (Verwirklichung von Pratyahara und Dharana)
 
Samadhi – Erleuchtung und Selbstverwirklichung; Seinszustand der Glückseligkeit;
 
Diese 8 Glieder oder Stufen wurden zum ersten Mal von Patanjali in den Yoga Sutren zusammengeschrieben (2-3 Jh.v.Ch.). Seine 185 Aphorismen beschreiben die Philosophie und Praxis des klassischen Yoga.

Ursprüngliche Yogaformen

  • Hatha-Yoga … die 5 Säulen: Asanas, Pranayama, Entspannung, Ernährung und Meditation
  • Mantra-Yoga … Rezitationen und Gebete
  • Yantra-Yoga … in der Meditation auf bestimmte geometrische Formen fokussieren
  • Nada-Yoga … Klänge, Instrumente, Stimme, Töne
  • Laya-Yoga … Innere Töne und Licht